Håkan Nesser - btb Verlag
Håkan Nesser

© Sven Paustian

Häufig gestellte Fragen an den Autor

Einige Fragen und einige Antworten (herausgefischt aus dem Haufen von Fragen, die ich von Gymnasiasten bekomme, wenn die irgendwelche Hausarbeiten über meine Bücher schreiben).

1. Warum haben Sie damit angefangen, Bücher zu schreiben?

Das weiß ich nicht so genau. Ich war schon über 35, als ich mit Schreiben angefangen habe; ich hatte immer schon viel gelesen, aber eigentlich nie von einem Leben als Schriftsteller geträumt. Aber als ich dann mit Schreiben angefangen hatte, ging mir auf, dass ich genau das auch weiterhin tun wollte. Lesen und Schreiben ist mehr oder weniger derselbe Prozess, man verlässt die Welt, in der man sich eigentlich befindet, und wechselt auf eine andere über. Das ist faszinierend, und dass ich als Autor ganz allein darüber entscheiden kann, was passieren soll, finde ich natürlich befriedigend.

2. Warum schreiben Sie Kriminalromane?

Aus zwei Gründen - glaube ich. Einerseits finde ich es gar nicht schlecht, wenn Bücher spannend sind. Die Leute, die ein Buch lesen, sollten neugierig darauf sein, was passiert ist und was noch passieren wird; das ist eine unerhört wichtige Triebkraft beim Lesen. Andererseits ist der Tod in Kriminalromanen immer anwesend, und wenn der Tod in der Nähe ist, stellen wir die wichtigen Fragen nach dem Leben. Aber eigentlich sind ja nur meine Van Veeteren-Bücher echte Kriminalromane; meine anderen Bücher (»Kim Novak badete nie im See Genesareth«, »Die Fliege und die Ewigkeit«, »Barins Dreieck« usw.) sind Romane, aber eben auch Romane, in denen es um scheußlichen, plötzlichen Tod geht.

3. Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben?

Das ändert sich von Buch zu Buch. Und natürlich ist es auch bei jedem Autor und jeder Autorin anders. Ich schreibe eigentlich ziemlich schnell - lege dabei aber immer wieder Pausen ein, und da bisher mindestens ein Buch von mir pro Jahr erschienen ist, könnten wir sagen, dass ich acht bis zwölf Monate brauche. Aber es ist wichtig, nie zu schreiben, weil man glaubt, dazu gezwungen zu sein. Wenn ich keine gute Geschichte erzählen kann, dann halte ich den Mund. Außerdem schreibe ich jedes Buch sicher acht bis zehnmal um, ehe ich zufrieden bin. Und ich schreibe anfangs mit der Hand, aber wenn ein Kapitel fertig ist, schreibe ich es in den Computer.

4. Haben Sie irgendwelche Lieblingsautoren oder -autorinnen?

Nein, wirklich nicht. Ich lese viel, aber es gibt so viele gute Leute, die schreiben, dass ich keine Namen nennen möchte.

5. Gibt es unter Ihren eigenen Büchern einen Favoriten?

Nein, auch das nicht. Manche Geschichten sind wahrscheinlich lustiger und spannender - zu lesen und zu schreiben. Aber für mich ist es wichtig, unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Wenn ich meine Leser und mich selbst überraschen kann, dann bin ich zufrieden. Ich langweile mich sehr schnell, und wenn ich merke, dass ich damit anfange, dann brauche ich in der Geschichte, an der ich gerade arbeiten, eine neue Wendung.

6. Welchen Rat geben Sie jungen Autorinnen und Autoren?

Du musst Geduld haben. Eine Geschichte zu schreiben, ist ein Handwerk. Dein Werkzeug ist die Sprache, und wenn du außerdem noch eine Geschichte hast, die es wert ist, erzählt zu werden, dann ist das kein Nachteil.